Herr Asmussen hat keine Kleider an

Eine entscheidende Frage für den heutigen Tag wurde bereits gestern Abend beantwortet. Noch weit vor Mitternacht meldeten die Agenturen, dass die EZB weiter im Rahmen der geltenden Regeln zypriotische Banken mit Liquidität versorgt. Das heißt nichts anderes, als das die zwei größten zypriotischen Banken, die nur noch durch die Versorgung mit der Notfallliquidität der EZB am Leben gehalten wurden, aus den Bankfeiertagen wohl nicht direkt in den Bankrott gehen. Die sogenannte „Emergency Liquidity Assistance“ (Ela) geht also vorerst weiter. Das ist eine gute Nachricht und eine interessante Nachricht. Gut, weil so der Zeitdruck für eine Lösung sinkt. Denn mit den zwei größten zypriotischen Banken wäre ziemlich unmittelbar auch der zypriotische Staat Bankrott. Interessant ist diese Nachricht, weil damit klar wird, dass Herr Asmussen aus dem EZB-Direktorium, als er Zypern für den Fall eines Scheiterns des Pakets mit der Kappung der Geldzufuhr durch Ela am Dienstag gedroht hatte, geblufft hat. Dieser Bluff war es, der nach den übereinstimmenden Aussagen vieler dazu führte, dass am Samstagfrüh das nun gescheiterte Paket präsentiert wurde, weil Zypern schlicht erpresst wurde. Eine wirklich interessante Frage dürfte heute sein, ob die Ela-Zusage der EZB den Tag übersteht. Wenn nein, dann kommt der Schock zeitversetzt. Wenn ja, dann müsste erstens in Frankfurt/Main jemand persönliche Konsequenzen ziehen, und zweitens kommen dann die wirklich interessanten Fragen auf den Tisch. Denn was passiert, wenn die Südländer der EU realisieren, dass nicht nur Herr Asmussen sondern auch Herr Draghi, Herr Weidmann und die ganzen anderen selbstgerkrönten Zentralbankkönige keine Kleider anhaben? Dann ist der zentrale Erpressungshebel für die Austeritätsfundamentalisten weg. Das wird dann wirklich interessant.

Alexander
Ich arbeite hauptberuflich als Staatssekretär für Arbeit und Soziales in Berlin und blogge auf Fliesstexte.de privat. Kontakt: alxr.fischer@gmail.com. Auf Twitter folgen: http://www.twitter.com/alexfischer.

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