"Fire this Idiot"

Nun ist wieder einmal alles gut. Die Finanzmärkte atmen auf. Selbst das strenge Deutschland ist zufrieden mit dem neuen Zypernplan, was heißt: aus Union, FDP, SPD und Grünen kommt einhellige Zustimmung, und nur die üblichen Querulanten auf der (Halb-)Rechten und Linken quengeln rum. Mehrheit im Bundestag sicher, ab in den Osterurlaub. Alles wird gut. Die Zyprioten haben einen harten Weg vor sich, aber so ist das nun mal, wenn man ein falsches Geschäftsmodell mit den falschen Partnern umsetzt. Und nun sagt auch noch der Chef der Euro-Gruppe, Jeroen Dijsselbloem, der Zypernplan solle zur Blaupause für den Rest der Euro-Zone werden:

„It means deal with it before you get in trouble. Strengthen your banks, fix your balance sheets and realise that if a bank gets in trouble, the response will no longer automatically be that we’ll come and take away your problem. We’re going to push them back. That’s the first response we need. Push them back. You deal with them.”

Punkt. Also halten wir fest: Was in Zypern passiert ist, war keine einmalige Aktion sondern ein Testballon für künftige „Rettungsaktionen“. Künftig kann niemand mehr im Euro-Land sicher sein, dass nicht eines Tages ein Heuschreckenschwarm von Troika-Bürokraten einfällt und nicht nur die Löhne, Renten und Sozialleistungen zusammen streicht und die Wirtschaft mit drakonischen Kürzungen in die Krise treibt, sondern bei der Gelegenheit auch gleich noch die Bankguthaben bei ein paar Banken rasiert (damit die ihr „Geschäftsmodell“ ändern) und die Bargeldabhebungen über Nacht auf 100 Euro pro Tag begrenzt. Herr Dijsselbloem sagt also allen Menschen, die im Euro-Land Bankguthaben stehen haben: LAUFT! Lauf um Euer Geld!

Ich bin kein Nationalstaatsfetischist, kein Euro-Gegner aus Prinzip und halte die europäische Einigung für ein richtiges Ziel, aber ich zitiere an dieser Stelle einfach mal einen Tweet von Anatole Kaletsky (Reuters-Kolumnist und Co-Chef des von George Sorros ins Leben gerufen Institute for New Economic Thinking):

„#Dijsselbloem tells depositors to start bank runs. [.] EU must choose: fire this idiot and U-turn on Cyprus or end euro“

Es gibt nur noch wenige politische Optionen, die den Euro in seiner bisherigen Form retten können (der streng genommen nach der Einführung von Kapitalverkehrskontrollen und Bargeldrationierungen in Zypern effektiv bereits Geschichte ist). Dazu würde symbolisch die sofortige Suspendierung des Euro-Gruppenchefs und aller anderen Verantwortlichen für den „Rettungs“-Wahnsinn der letzten Woche und unwiderrufliche Schritte in Richtung einer europäischen Einlagensicherung, Bankenregulierung, Konjunkturstimulierung und  Lohnkoordinierung gehören. Ich habe aber die Befürchtung, dass den politischen und ökonomischen Führer/innen des Kontinents, mehr als der Mut fehlt, um sich von den begangenen Fehlern zu lösen und neue zu vermeiden.

Alexander
Ich arbeite hauptberuflich als Staatssekretär für Arbeit und Soziales in Berlin und blogge auf Fliesstexte.de privat. Kontakt: alxr.fischer@gmail.com. Auf Twitter folgen: http://www.twitter.com/alexfischer.

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