Der Euro (wie wir ihn kennen) ist Geschichte

Richtig gelesen. Die Kapitalverkehrsbeschränkungen, die das kleine Zypern nunmehr in Kraft setzt (in aller Kürze: Bargeldrationierungen und rigide Beschränkung von Zahlungen ins und im Ausland), markieren effektiv zwei Meilensteine in der Geschichte der europäischen Währungsunion (die insgesamt nicht sehr lang werden dürfte). Erstens ist Zypern damit effektiv nicht mehr Teil der Währungsunion. Der zypriotsiche Euro ist nicht mehr frei handelbar in der Euro-Zone, und die aktuell gehandelten Beträge sind (auch wenn dies erst auf den zweiten Blick klar wird) so drakonisch niedrig, dass sie Zypern im alltäglichen Zahlungsverkehr praktisch vom Rest der Euro-Zone abschließen. Und zweitens sendet die EU damit ein klares Signal an alle Bürgerinnen und Bürger der Euro-Zone, und zwar zu der Frage, wie viel die wirtschaftlichen Freiheitsrechte (für deren Segnungen die Länder, die schon von der Troika heimgesucht wurden, grausame Kürzungen hinnehmen mussten) im Ernstfall wert sind: nichts. Faktisch ist klar, dass das heiligste Gesetz der EU, der freie Kapitalverkehr, im Ernstfall nichts gilt und auch von den europäischen Verträgen nicht geschützt wird. Alle, die über Bankguthaben oberhalb einer Bagatellgrenze verfügen (und das sind auch im Troika-Europa SEHR viele), können sich nun mit guten Gründen Gedanken darüber machen, wie sie sich für den Ernstfall vor dem Einschluss ihrer Bankguthaben und der anschließend womöglich drohenden Rasenmäherkürzung schützen. Nun wäre die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen an sich noch kein Grund zur Trauer. Kapitalverkehrskontrollen sind eigentlich keine schlechte Sache. Aber eine wirksame Waffe in den Händen von Psychopathen wird zur Gefahr für Leib und Leben aller, die in Reichweite dieser Waffe sind. Willkommen im neuen Europa.

Alexander
Ich arbeite hauptberuflich als Staatssekretär für Arbeit und Soziales in Berlin und blogge auf Fliesstexte.de privat. Kontakt: alxr.fischer@gmail.com. Auf Twitter folgen: http://www.twitter.com/alexfischer.

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