To Bank Run or not to Bank Run

Nun sind wieder mal alle froh. Erst wurde tagelang die Angst vor einem bevorstehenden Bank Run in Zypern nach der Wiederöffnung der Banken geschürt. Live-Schalten bei den TV-Stationen, Ticker auf den Onlineportalen, schreiende Überschriften, das volle Programm. Und dann standen vor vielen Banken tatsächlich mehr Banken als Kunden. Und alle sind „erleichtert“, vor allem die berühmten „Märkte“ sind froh, ja, sogar der Euro steigt, weil die braven Zyprioten nicht die Banken gestürmt haben. Geht´s eigentlich noch blöder?

In Zypern ist es zu spät für einen Bank Run. Auf der Insel herrscht, wie die Süddeutsche Zeitung heute zutreffend schreibt, ein finanzieller Ausnahmezustand. Und der fühlt sich für die Bürger angesichts drakonischer Beschränkungen des Zahlungsverkehrs und Bargeldrationierungen sowie massiver Präsenz von Polizei und privaten Sicherheitsdiensten vermutlich sehr real an. Und dies (das erfolgreiche Schockfrosten einer entwickelten Ökonomie/Gesellschaft zur Implementierung eines Zerstörungsprogramms) mag vielleicht sogar das eigentliche Experiment gewesen sein, das die Führung der Euro-Zone in Zypern durchgeführt hat. Und schließlich: Ein elektronischer Bank Run war/ist ja bereits auch im Gang. Die Einlagen des Privatsektors bei zypriotischen Banken sind allein im Januar und Februar um rund 2 Mrd. Euro gesunken. Sparer aus anderen Euro-Ländern haben allein im Februar rund ein Fünftel ihrer Guthaben abgezogen.

Das eigentliche Problem, die eigentliche Herausforderung für die Kontenrasenmäher aus Brüssel, lauert in der Zukunft. Wie verhindert man Panik in Ländern, die künftig zu Kandidaten für eine Troika-Schockbehandlung werden? Das dürfte ziemlich genau die Frage sein, die sich die Euro-Strategen im Moment stellen. Aber effektiv macht es kaum einen Unterschied. Ob man den Euro nun in einer Panik untergehen lässt oder ihn von Panzern verteidigen lässt, die Währungsunion in ihrer bisherigen Form ist eine Kandidatin für die Geschichtsbücher.

Alexander
Ich arbeite hauptberuflich als Staatssekretär für Arbeit und Soziales in Berlin und blogge auf Fliesstexte.de privat. Kontakt: alxr.fischer@gmail.com. Auf Twitter folgen: http://www.twitter.com/alexfischer.

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