Der Euro ist verloren, und das Ende wird fürchterlich

Der das sagt, ist kein geringerer als der ehemalige Unctad-Chefökonom Heiner Flassbeck auf seinem Blog Flassbeck-Economics. Nun wird man Flassbeck nicht unterstellen können, dass er ein besonderer Hitzkopf wäre, oder zu unbesonnenen Analysen neigen würde. Herausragend ist er, weil er zu den wenigen seiner Zunft gehört, die den Krisenverlauf ab 2008 in Grundzügen richtig prognostiziert haben. Nun gibt er eine eindringliche Schilderung dessen, was allein die (im Einzelnen immer noch nicht bezifferte) Strafsteuer auf Bankguthaben bei den zwei größten zypriotischen Banken heißt. Prinzipiell bleibt es bei der (für alle, die auch nur eine Volkswirtschaftslehre-Vorlesung besucht haben, eigentlich nicht neue) schlichten Feststellung: Bankguthaben sind nicht gleichbedeutend mit Vermögen sondern lediglich ein Bilanzposten bei der Ermittlung des letzteren (Vermögen=Guthaben-Verbindlichkeiten). Eine Strafsteuer auf Bankguthaben ist im Verhältnis zu einer Vermögenssteuer in etwa dasselbe wie eine Umsatzsteuer im Verhältnis zu einer Einkommenssteuer. Deshalb ist es, so sehr das gefühlslinke Publikum durch die vermeintlich in Szene gesetzte Schröpfung der Vermögenden auch begeistert sein mag, bestenfalls doof, einen derartigen Wahnsinn zu bejubeln. Und das ist ein Stichwort, an dem das Weiterdenken lohnt. Denn doof ist Merkel nicht, so schlicht und doof der Merkelismus auch erscheint. Nein, mir scheint eine andere These plausibler. Dass der Euro im Prinzip verloren ist, weil es womöglich überhaupt keine plausiblen Rettungsszenarien mehr gibt (selbst nicht unter der irren Annahme, dass der Merkelismus heute in den Papierkorb der Geschichte landet), das dürfte Merkel und ihren Beratern, und sicher auch den Eurokraten (na gut, vielleicht nicht Dijsselbloem) langsam dämmern. Ich halte es für möglich, dass Merkel und Co. längst nicht mehr darüber grübeln, ob der Euro scheitert, sondern wann und wie, und (viel wichtiger) wie die Crashkosten nach der geltenden merkelistischen Doktrin weg von den Finanzeliten auf die Masse der Arbeitnehmer und Rentner abgewälzt wird. In Kürze lautet die These also: Der Euro ist womöglich nicht mehr zu retten, die entscheidende politische Auseinandersetzung wird sich um die Frage drehen, wer die Kosten des Scheiterns trägt.

Alexander
Ich arbeite hauptberuflich als Staatssekretär für Arbeit und Soziales in Berlin und blogge auf Fliesstexte.de privat. Kontakt: alxr.fischer@gmail.com. Auf Twitter folgen: http://www.twitter.com/alexfischer.

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