#Rockgegenlinks

Das Hamburger Krawall-Wochenende mündet in eine politische Debatte, deren Kontrahent/innen meistens ebenso erwartbar sind wie ihre Einlassungen. Es ist Wahlkampf. Herausragend ist aber eine Äußerung des amtierenden Bundesjustizministers Heiko Maaß, der die Ereignisse des Wochenendes zum Anlass für eine Reihe von nicht ganz neuen politischen Forderungen nimmt, um dann in ausdrücklicher Analogie zu den „Rock gegen Rechts“-Konzerten ein „Rock gegen Links“ als gesellschaftliche Reaktion auf die Hamburger Krawalle einzufordern. Diese Forderung ist allein deshalb bemerkenswert, weil sie von einem führenden Vertreter einer Partei kommt, die gern und immer wieder ihre Identität als „linke Volkspartei“ betont und allen historischen Hakenschlägen zum Trotz ihre Herkunft aus der Arbeiter/innenbewegung betont. Noch bemerkenswerter ist aber, dass Heiko Maaß offenbar nicht weiß, wer das politische Copyright an der Idee „Rock gegen links“ hat. Die Neonazi-Rockband Freikorps veröffentlichte im Jahr 2016 ein  Album namens „Land meiner Väter“, auf dessen Verlinkung ich hier verzichte. Auf diesem Album findet sich ein Song mit dem Titel „Rock gegen links“. Ich bin sehr gespannt, was aus dieser Idee wird, nachdem sie von einem sozialdemokratischen Bundesminister in die politische Welt gesetzt wurde. Ich wage die Prognose, dass sich mindestens im politischen Feld jenseits der SPD jemand findet, der diesen Elfmeter im Wahlkampf nicht liegen lassen wird.